toggle toggle

Die Anlässe von Le Temps: soziale Netzwerke im wirklichen Leben

zurück arrière

The Changemaker

In einer Welt, in der wir zwar immer stärker vernetzt, aber immer weniger miteinander verbunden sind, wird der Journalismus von morgen zusammen mit der Leserschaft kreiert. Aus dieser Perspektive heraus organisiert Le Temps Anlässe. Sie bieten die Gelegenheit, mit den Leserinnen und Lesern in Kontakt zu treten, eine neue Leserschaft anzusprechen, Beziehungen zu Fachleuten zu knüpfen und neue, qualitativ hochwertige und originelle journalistische Inhalte zu bieten.


Seit einem Jahr organisiert unsere Redaktion Anlässe im Newsroom in Lausanne, im Zentrum der Westschweiz. Das Projekt zielt darauf ab, unsere Leserschaft zu binden und zu erweitern. Das geschieht am besten, indem man mit der Organisation von Anlässen mit 50 bis 100 Personen Nähe und Exklusivität bietet.

 

Die Idee kam auf, nachdem wir uns mit Studenten unterhalten hatten, die unsere Räumlichkeiten besucht hatten. Sie sagten, sie könnten nicht nachvollziehen, weshalb jemand Interesse daran haben sollte, ein Medium zu abonnieren. «Man findet doch alles gratis im Internet.»

Als wir mit ihnen diskutierten, wurde uns klar, dass sie problemlos für eine Dienstleistung bezahlen würden, sofern diese einen echten Mehrwert bietet und ein dynamisches Image transportiert: Netflix, Spotify … Mit dem Ziel und Anspruch, unser Angebot zu bereichern und bekannt zu machen, haben wir uns dazu entschlossen, eine neue Form von Anlässen zu kreieren, die einen Bezug zu unserem Medium aufweisen.

Wir bieten Anlässe jeglicher Art. Das kann von einem Zero-Waste-Abend über Philosophiekurse für Kinder, Veloausflüge, einen Fotokurs mit unserem Fotografen oder ein Treffen mit unserem politischen Korrespondenten in Paris bis hin zu Konzerten gehen.

 

Auf der Agenda stehen ein Yogakurs, ein Besuch unseres Stadtgartens mit einem Permakultur-Spezialisten und die Lancierung eines Clubs für Jungunternehmer.

Wenn wir einen Anlass organisieren, definieren wir Thema und Format. Ein Anlass muss eines dieser drei Ziele anstreben: die Leserschaft von Le Temps binden (Klassikkonzerte beispielsweise kommen bei unserer traditionellen Leserschaft gut an); sich bei potenziellen Kunden bekannt machen (wenn wir ein Start-up einladen, das Videospiele entwickelt, erneuern wir unsere traditionelle Leserschaft aus der Wirtschaftswelt); mithilfe eines Sponsors Einkünfte generieren.

Wir sind zudem übereingekommen, uns an drei Regeln zu halten: Wir bleiben unserer redaktionellen Linie treu, wir überlegen uns, wie wir den Anlass in unseren Print- und Digitalmedien nutzen könnten und … es muss uns Spass machen (wenn wir Spass haben, haben auch unsere Gäste Spass)!

 

So wird beispielsweise ein paar Tage vor einem Konzert ein Porträt des Künstlers in unserer Zeitung publiziert. Natürlich nutzen wir auch die Gelegenheit und platzieren einen Link zum Anmeldeformular. Und das Konzert selbst? Auf unserem Facebook-Account und auf unserer Website zeigen wir ein Video mit Ausschnitten des Konzerts.

Am 29. Dezember haben wir eine Untersuchung veröffentlicht, die darauf eingeht, weshalb Genf zu einer Referenz in Sachen Düfte und Parfums geworden ist. Um das Dossier weiterziehen zu können, haben wir 95 Leserinnen und Leser dazu eingeladen, das Labor Aroval zu besuchen. Ihnen wurde die Gelegenheit geboten, im Artikel erwähnte seltene Parfums kennenzulernen.

 

Unsere Anlässe sind heute immer voll ausgebucht. Unser vor vier Monaten lancierter Event-Newsletter hat die Zahl von 1400 Abonnenten überschritten, und das in einer einzigen Stadt: Lausanne.

Weil wir eine echte Nachfrage geschaffen haben, sind wir jetzt in einer Position der Stärke und können mit den Anlässen auch Geld verdienen.

Ein Vorschlag, der auf dem Tisch liegt: die Anlässe für unsere Abonnenten zu reservieren und die Möglichkeit für andere offen zu lassen, gegen Bezahlung teilzunehmen, verbunden mit einem Sonderangebot für ein Abonnement.

 

Ein Umstand macht uns besonders Mut: Während nur 10 % unserer Abonnenten unsere Anlässe besuchen, so wünschen fast 90 % der Eingeladenen Informationen zu unseren kommenden Anlässen. Das ist ein Beleg dafür, dass bei potenziellen Abonnenten ein echtes Interesse an unserer Marke besteht.

 

Seit dem 18. Jahrhundert hat die Presse auch immer die Rolle eines Animateurs im sozialen Leben übernommen. In einer Welt, in der wir zwar immer stärker vernetzt, aber immer weniger miteinander verbunden sind, wird der Journalismus von morgen zusammen mit der Leserschaft kreiert.
Ende Mai verzeichneten wir einen Gesamtanstieg der Digitalabonnemente von 30 %, die neuen Dienste sind eine reelle Antwort auf die Erwartungen der Bürgerinnen und Bürger. Sie sind deshalb auch Teil der Antwort auf die Krise, die die Presse weltweit durchlebt: Es wird die Zeit kommen, in der man Le Temps nicht zuletzt deshalb abonniert, weil sie Anlässe anbietet.

 

https://www.letemps.ch/images/video/societe/philo-sort-bouche-enfants

Dauer Start bis Abschluss Projekt:

Juni 2017 bis heute

 

Namen der Projekt-Mitarbeitenden:

Cédric Garrofé: Leiter soziale Netzwerke und Anlässe

Marie-Jane Berchten: Assistentin des Chefredaktors

César Greppin: Webentwickle

 

Abteilung:

Digital Factory

 

Firma/Firmen:

Le Temps